100 Jahre Novemberrevolution

1918 – vor 100 Jahren beendete die Novemberrevolution in Deutschland das Kaiserreich und den I. Weltkrieg. Ein Sturm der Revolution wehte durch Deutschland. 

Im Hamburger Hafen treten am frühen Morgen Werftarbeiter in den Streik. Bei Blohm und Voss kommt es zu Tumulten. Es ist der 5. November 1918. Am Tag zuvor war in Kiel zum ersten Mal die Fahne der Revolution gehisst worden. Der Funke springt schnell über. Die Stimmung in der Stadt ist aufgeheizt. In der Nacht vom 5. auf den 6. November macht sich dann eine kleine Gruppe Matrosen vom Hamburger Hauptbahnhof auf. Im Hafen entwaffnen sie Kriegsschiffe, besetzen den Elbtunnel und das Gewerkschaftshaus.

Im November 1918, als überall in Norddeutschland aufständische Soldaten, Matrosen und Arbeiter in den Wirren nach Kriegsende „Arbeiter- und Soldatenräte“ bildeten und die Macht übernahmen, fand man in Hamburg eine Art Gentlemen’s Agreement. Man habe eine Kommission aus Vertretern des Arbeiter- und Soldatenrats und Senatsmitgliedern gebildet, so ein Flugblatt vom 13. November 1918, „zwecks Überleitung in die neuen Verhältnisse“. Und um klarzustellen, dass die Verhältnisse nicht ganz so neu ausfallen sollten: „Das Publikum hat sich wie bisher an die zuständigen Behörden zu wenden. Die Gesetze bleiben in Kraft. Das Eigentum wird geschützt. Verträge und gesetzliche Verpflichtungen sind zu erfüllen. Alle Steuern sind zu entrichten.“
Der Arbeiter- und Soldatenrat diskutierte Ende November 1918 heftig, wie die neue Demokratie aussehen soll. Auch die Räterepublik war eine Option, aber dann hat man sich doch entschlossen, Wahlen zu einer neuen Nationalversammlung durchzusetzen, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.“

Und was lernen wir daraus? Revolutionäre Situationen können nicht ausgerufen oder willkürlich geschaffen werden. Es müssen objektive und subjektive Faktoren heranreifen. 

Trotz des Waffenstillstands mit Russland – nach der dortigen Oktoberrevolution – taumelte der deutsche Imperialismus seiner militärischen Niederlage entgegen. Das Volk war erschöpft und forderte Frieden. 800.000 Frauen und Kinder waren seit Kriegsbeginn an Hunger gestorben. Sie wollten und konnten nicht mehr in der alten Weise regiert werden. Im Januar/Februar beteiligten sich 500.000 Arbeiter an einem poli­tischen Generalstreik. Der revolutionäre Spartakus­bund spielte eine wichtige Rolle. Geführt von den großen deutschen Revolutionären Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, entstand er in der Kritik an der sozialchauvinistischen Politik der früher revolutionären SPD.
 
Der revolutionäre Gedanke muss die Massen ergreifen! Eine Revolution ist keine anarchistische Einzeltat, kein Putsch, sondern die Erhebung der Massen. Dazu muss die revolutionäre Tat zuerst durch den Kopf. Das zeigt die große Bedeutung des Kampfs um die Meinungsführerschaft unter den Massen. Sie geht jedem großen Kampf voraus und muss  in geduldiger Kleinarbeit erobert werden.
Eine Revolution verläuft nicht harmonisch– im Gegenteil: Der Richtungskampf zwischen revolutionärer und reformistischer Richtung entfaltet und verschärft sich. Er muss mit aller Konsequenz auch in der Arbeiterbewegung ausgetragen werden!
 Dieser Kampf spitzte sich 1918 immer mehr zu. Am 16. Dezember  tagte erstmals der Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte. Karl Liebknecht forderte den Sturz der Regierung, Bewaffnung des revolutionären Proletariats, Entwaffnung der Konterrevolution. Gegen die Losung „Alle Macht den Räten“ rief der Kongress zur Wahl der bürgerlichen Nationalversammlung auf.

Das größte Problem der Novemberrevolution war das Fehlen einer revolutionären Partei, die eine zielklare Führung der Massen hätte ausüben können.

In Deutschland verblieben die Revolutionäre viel zu lange in der durch und durch verbürgerlichten SPD. Statt eine revolutionäre Partei aufzubauen, organisierten sie sich lose in der Spartakus-Gruppe. Diese spielte eine wichtige Rolle in der Vorbereitung und Durchführung der Revolution, war aber noch zu schwach und unerfahren. Die Kommunistische Partei wurde erst mitten im Verlauf der Revolution gegründet, Ende Dezember 1918.

Revolutionäre Gärungen werden kommen. Ob sie zum Erfolg einer befreiten Gesellschaft führen, hängt maßgeblich mit davon ab, wie wir uns heute darauf einstellen.

Infos aus Sonderausstellung “Revolution! Revolution?“
https://www.hamburgmuseum.de/de/home, NDR, rf-news, https://youtu.be/VusRULKWQ3A