Neue Taktik in alten Schläuchen- Pegidamief in Hamburg

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Merkel muss weg“ hieß es am gestrigen Montag zum vierten Mal in Folge in Hamburg. Rund 200 Leute protestierten gegen die sogenannte „Merkel-Diktatur“ oder das „System Merkel“: Unterstützt von der AfD Hamburg-Nord und engagiert kritisch und lautstark begleitet von rund 800 Gegendemonstranten.

Begonnen hatte der rechte Spuk mit Uta Ogilvie, die sich vor vier Wochen bewaffnet mit ein em Pappschild in die Hamburger Innenstadt stellte und das als bürgerlichen Protest verstanden wissen wollte. Soweit die Legende. Wessen geistiges Kind diese Frau ist kann man in mehreren Youtube-Interviews mit dem rechten und frauenfeindlichen Oliver Flesch ( https://de.wikipedia.org/wiki/Oliver_Flesch ) sehen. Wer will soll danach googeln.

Wer ist die Pappkameradin Uta Ogilvie wo kommt sie her und was will sie? „EXIF – Recherche & Analyse“ schreibt dazu:

„Die Anmelderin… äußert sich in sozialen Medien mit Sätzen wie: „Ich will mein Land zurück“, teilt Beiträge von der rechten Zeitung „Junge Freiheit“ oder Akif Pirinçci. Im September 2017 verfasste sie für das Neu-Rechte Medium „Tichys Einblick“ einen Artikel, in dem sie Donald Trumps Klimapolitik befürwortet und sich das politische Ende der „Grünen“ in Deutschland erhofft. Passenderweise ist sie bei dem Hamburger Energie-Dienstleister „EnVersum“ angestellt, bei dem ihr Mann Erich Ogilvie die Geschäftsführung inne hat. Auch dieser mobilisierte für die Demonstration(en) am Montag. Er sympathisiert mit der AfD, folgt in sozialen Netzwerken dem Faschisten Heinz-Christian Strache und AfD Politiker Jörg Meuthen, ebenso wie der unter Neu-Rechten beliebten Seite „Lügenpresse“.“

Auf Facebook gab Ogilvie für die Kundgebungen Regeln vor. Nicht erlaubt seien lautes Skandieren von Parolen und „Parteilogos irgendwelcher Organisationen“. Auch „Aufrufe zu Gewalt“ und „Dinge, die an die Zeit von 1933 – 1945 anknüpfen“ seien untersagte. Auf der Kundgebung standen dann auch die einschlägigen Merkel-Kritiker. Ohne eigenes Logo oder Parteizeichen – ganz wie gewünscht – waren u.a. Anhänger der Identitären Bewegung, der Kameradschaft „Sektion Nordland“ um Danny Belucis , Stadtbekannte altgediente rechte Hooligans aus den 80er Jahren und  NPD-Kader wie Sven Mazurek, gekommen.

Dass ihr der ehemalige Türsteher Thomas Gardlo, in einschlägigen Kreisen besser bekannt als Togger, der u.a. eine Vergangenheit in der Neonazi-Szene hat, Leibwächter von Roland Schill war und der die rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ und Burschenschaftler im Kampfsport trainieren soll, ( lt. MOPO) als Leibwächter an die Seite gestellt wurde, spricht für sich.

Uta Ogilvie gab inzwischen ihren Rücktritt von der Demo-Organisation bekannt. Sie habe Angst um ihre Familie, nachdem es auf ihr Haus einen Farbanschlag gegeben hatte. Eine Spendensammlung für die Beseitigung dieses „terroristischen Anschlags“ kursiert im Netz.

Die Demonstrationen laufen weiter, die Anmelderinnen wechseln. Nach Modellagentur-Chefin Jennifer Nathalie Gehse die auch aus dem Umfeld von Flesch kommt, so schreibt es die Frankfurter Rundschau, wurde fix eine neue Frau installiert Das wirft die Frage auf, warum die Hintermänner stets eine Frau in die vorderste Reihe schicken. Offenbar handelt es sich um eine neuen Taktik des faschistoiden Spektrums, siehe z.B. den „Frauenmarsch“ in Berlin. Hier wie dort geht es um Rassismus unter dem Deckmantel des Feminismus. Inhaltlich geht es bei dem Motto „Merkel muss weg“ nicht gegen die reaktionäre Flüchtlingspolitik der Merkel-Gabriel-Regierung und der EU, oder um eine Kritik an der Schuld an tausenden Toten im Mittelmeer und der menschenunwürdigen Unterbringung von Flüchtlingen in Abschiebelagern. Es geht auch nicht um die Klärung essentieller Fragen wie z.B. woher kommen die untragbaren Zustände auf diesem Erdball in Bezug auf das soziale Leben, den Frieden, die Umwelt oder die Klärung der Fragen, was sind die Ursachen, welche Alternativen gibt es? Nein, es geht einzig darum nationalistische und faschistische Positionen weiter gesellschaftlich zu verankern. Nicht nur in Hamburg versucht die rechte Szene, ihren Merkel-Protest als Bewegung aus der Mitte darzustellen, da machen sich Frauen als Initiatorinnen gut.

Laut Hamburger Abendblatt ist längst bekannt, dass die Türsteherszene um Thomas Gardlo hinter den wiederkehrenden Aufmärschen steckt. Aber: bekannt ist das z.B. bereits in den 80er Jahren Neonazis, beispielsweise aus der rechten HSV Fangruppe „Hamburger Löwen“ auf dem Kiez aktiv waren. Die Frauen sind nur Staffage, denn ein Oliver Flesch mit dem ehemaligen Bodyguard von Roland Schill, dürfte selbst im Hamburger Konservativen-Milieu kaum einen Vertrauensvorschuss genießen. Tatsächlich wird mit einer neuen, einfach erkennbaren Taktik, versucht den Pegidamief zu vermeiden, was nicht nur die meist rechten Teilnehmer der Demo belegen.

Es ist eine große Herausforderung, den neuen Wegbereitern des Faschismus  das Handwerk zu legen. Mutig voran!

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