„Russischer Marsch“, Faschisten und Nationalisten in Moskau

Der „Tag der Einheit des Volkes“ am 4. November ist Russlands jüngster Feiertag, er wurde erst 2005 eingerichtet. Erinnert werden soll dabei offiziell an die Vertreibung polnischer Heere aus Moskau im Jahre 1612. Der Kreml hatte den Tag als Schlag gegen die Kommunisten erdacht, die bis dahin am 7. November den Jahrestag der Oktoberrevolution feierten. Während die Mehrheit der Bevölkerung sich mit dem eigentlichen Anlass wenig verbunden fühlt nutzen nationale und faschistische Kräfte den 4. November um ihre Stärke zu demonstrieren und einen sogenannte „Russischen Marsch“ zu veranstalten. Parolen wie „Russland den Russen“schallen durch die Vorstädte. In den letzten Jahren kam es zu Demonstrationen mit beachtlicher Stärke. In diesem Jahr fiel der Aufmarsch in Moskau und anderen Städten etwas bescheidener aus ( ich sah ca. 250 Leute plus eine beachtliche Zahl von Medienvertretern), obwohl oder gerade deswegen, weil unterschiedliche reaktionäre Gruppierungen für den 04. November 2017 zur Revolution und den Sturz des Putin-Regimes aufgerufen hatten. Daraufhin kam es zu Hausdurchsuchungen und zahlreichen Verhaftungen, was wohl den einen oder die andere von einem öffentlichen Auftreten abhielt.

Wie bei allen Menschenaufläufen die ich in Moskau erlebte, war auch diese Demonstrationsroute mit Eisengittern abgesperrt.  Aufstellungsort und  Abschlusskundgebung konnten nur durch elektronische Sicherheitsschleusen erreicht werden. Polizeikräfte aller Colour standen im Meterabstand an der Route. Straßenkreuzungen waren mit Fahrzeugen der Straßenreinigung abgesperrt. Für mich ein eher putziges Bild, nachdem ich jüngst in Hamburg, während des G20-Gipfels, die neuste Generation von Wasserwerfern und Räumfahrzeugen erleben durfte.

Die Veranstaltung verlief unspektakulär. Ein paar faschistische Agitatoren wurden unsanft von kräftigen Typen der Spezialeinheit OMOH abgeräumt. Unbehelligt durften sie aber danach den Medien Interviews geben.

Am Straßenrand standen zahlreiche Zuschauer. Zu meiner großen Freude sah ich eine Reihe von eindeutig ablehnende Reaktionen, von Pöbeleien über erhobene Fäusten bis zum Stinkefinger. 🙂

 

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