Was ist der Unterschied zwischen dem Anzünden eines Autos und den kriminellen Machenschaften in der Automobilindustrie?

Selbstverständlich wird sich jeder rechtschaffene Bürger, ich natürlich auch, sofort vom zündeln distanzieren. In den letzten vier Wochen erlebten wir, wer sich nicht ordentlich von Randale und Vandalismus vermummten Gestalten am Rande der Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg distanziert, gilt als Terroristensympathisant.

Was ist aber mit den gut bezahlten kriminellen Führungskräften aus der Automobilindustrie? Täglich erfahren wir mehr über deren Machenschaften. Von solchen Kräften muss man sich natürlich auch distanzieren und das sogar ganz entschieden!

In Hamburg haben im Juli mehr als 100 000 Menschen friedlich und kreativ gegen die unverantwortliche und menschenverachtende Wirtschaftsweise der kapitalistischen Länder protestiert. Weil sie nicht nur ungerecht ist, sondern weil sie u.a. auch der Umwelt schadet, akut Menschenleben fordert und die Lebensgrundlagen künftiger Generationen vernichtet. Darüber ist nicht so viel berichtet worden, weil die Zerstörungswut der Polit-Hooligans und ihrer Freunde aus der Partyszene spektakulärer erschien und die Ausrichtung aus Wirtschaft und Politik auf die angeblichen „Exzesse von Linksextremisten“ mit einem zu befürchtenden Abbau weiterer bürgerlich demokratischer Rechte auf der Tagesordnung steht.

Inzwischen wissen wir das die deutschen Autohersteller bewusst in Kauf nehmen, dass ihre Autos viel mehr Gift ausstoßen, als sie dürften. Sie haben darüber die Verbraucher und die Behörden systematisch betrogen. Um dieses System immer besser organisieren zu können, haben sie extra ein illegales Kartell gebildet und Geheimabsprachen getroffen.

Wer in Hamburg ein Auto angezündet hat, ist schnell zum Terroristen und Staatsfeind erklärt worden. Wie soll man aber Leute nennen, die ihr Land und seine Bewohner durch die von ihnen gebauten Autos mit Giftgas töten? Wer und vor allem was sind diese Konzerne, die seit Jahrzehnten ganz selbstverständlich Spitzenpolitikern in Hannover, Stuttgart, Berlin oder Brüssel ihre Forderungen diktieren, gern gesehene und hofierte Gäste in Kanzleramt und Ministerien sind und dessen Repräsentanten frech in die Fernsehkameras lachen?

Der Begriff vom staatsmonopolistischen Kapitalismus ist ein wenig aus der Mode gekommen. Aber deshalb sind seine Mechanismen nicht verschwunden. Flick, die Deutsche Bank, Siemens, viele andere Vorzeigeunternehmen der Deutschland AG haben in den vergangenen Jahren immer wieder Gesetze gebrochen und die Regeln von Anstand und Moral missachtet. Die Arroganz der wirtschaftlichen Macht gegenüber den Massen gehört zum Geschäftsmodell.

Wenn wir auf die gesellschaftliche Debatte schauen – wer ist hier in der Defensive? Jene, die das kapitalistische Profitwirtschaften ohne Rücksicht auf Recht und Moral kritisieren? Die nach Alternativen suchen? Die linke Systemkritik ist so begründet, so legitim und notwendig wie eh und je. Deshalb gehört sie auch in den Wahlkampf.

 

Das ist der Gipfel, dieser Autogipfel!

Der G20 in Hamburg, eine etwas längere Aufarbeitung